Beim Nationalen Forum für Fernerkundung und Copernicus 2026, das bei der ESA in Darmstadt stattfindet, bringt das Linnaeus Kompetenzzentrum Hanf eine Perspektive ein, die Erdbeobachtung konsequent mit konkreter Wirkung vor Ort verbindet: Wie können Copernicus-Daten helfen, degradierte Landschaften wieder landwirtschaftlich nutzbar zu machen?

Unter dem Titel „Copernicus-basierte Bekämpfung von Wüstenausbreitung: Validierung neuer EO-Anwendungen für klimaresiliente Landwirtschaft in Westafrika“ stellt Martin Wittau, Geschäftsführer des Linnaeus Kompetenzzentrum Hanf, einen Ansatz vor, der Satellitendaten, regenerative Landwirtschaft und Industriehanf als schnellwachsende Pionierpflanze zusammenführt.

Im Mittelpunkt steht ein Perspektivwechsel: Weg von der reinen Beobachtung von Landdegradation – hin zur Frage, wie Erdbeobachtung konkrete Entscheidungen in der landwirtschaftlichen Praxis unterstützen kann. Denn Vegetationsentwicklung, Bodenfeuchte, Biomasseaufbau und Landnutzungsdynamiken lassen sich mit Copernicus-Daten, insbesondere Sentinel-1 und Sentinel-2, bereits zuverlässig analysieren. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, diese Daten so nutzbar zu machen, dass daraus Handlung, Wirkung und langfristige Transformation entstehen.

Ein besonderer Fokus liegt auf den nördlichen Trockengebieten Ghanas. Dort treffen fortschreitende Desertifikation, Klimastress, Boden-Degradation und kleinbäuerliche Strukturen auf die dringende Frage, wie Landwirtschaft wieder ökologisch stabil und wirtschaftlich tragfähig werden kann. Industriehanf kann hierbei als Teil regenerativer Systeme eine besondere Rolle spielen: Die Pflanze wächst sehr schnell, baut Biomasse auf, kann Bodenstrukturen stabilisieren und eröffnet zugleich lokale Wertschöpfungsketten – etwa in den Bereichen Fasern, Baustoffe, biobasierte Materialien, Proteine und perspektivisch auch Zukunftsmaterialien für Hightech-Anwendungen.

Der Impuls zeigt, wie Copernicus-Daten, KI-gestützte Datenfusion und Zeitreihenanalysen genutzt werden können, um Fortschritte bei Biomasseaufbau, Bodenstabilisierung und Wiederherstellung agrarischer Nutzungspotenziale messbar zu machen. Damit wird Land Restoration zu einem konkreten neuen Anwendungsfall für Earth Observation: nicht nur Monitoring, sondern Entscheidungsunterstützung für Farmer, Beratung, Politik und Entwicklungszusammenarbeit.

Langfristig eröffnet dieser Ansatz Perspektiven für digitale Zwillinge von Landschaften, für skalierbare Pilotprojekte und für die Unterstützung internationaler Initiativen wie der Great Green Wall. Entscheidend ist dabei die Verbindung von Technologie, lokaler Wertschöpfung und praktischer Umsetzung.

„Wir beobachten die Erde aus dem All – aber die eigentliche Herausforderung liegt darin, sie vor Ort zu verändern“, fasst Martin Wittau den Kern des Impulses zusammen.

Das Linnaeus Kompetenzzentrum Hanf versteht diesen Beitrag auch als Einladung zum Austausch: mit Forschungseinrichtungen, Raumfahrtakteuren, Entwicklungsorganisationen, politischen Partnern und Unternehmen, die Erdbeobachtung nicht nur als Analyseinstrument, sondern als Werkzeug für Transformation begreifen.